Weltbrand

Christian Wahnschaffe , 1. Teil

Regie: Urban Gad, Deutschland, 1920

Deutschland, 1920


Stab und Besetzung

Produktion Terra-Film AG, Berlin
Regisseur Urban Gad
Drehbuch Bobby E. Lüthge
Hans Behrendt
Hans Behrendt
Hans Behrendt
Nach einer Vorlage von Jakob Wassermann [Roman oder Erzählung 'Christian Wahnschaffe']
Kamera Max Lutze
Musik Giuseppe Becce
Darsteller Conrad Veidt [Christian Wahnschaffe]
Lillebil Christensen [Tänzerin Eva Sorel]
Theodor Loos [Amadeus Voß]
Fritz Kortner [Nihilist Iwan Becker]
Hermann Vallentin [Spekulant Cardillac]
Helga Molander [Laetitia]
Helga Molander [Arbeiter Kroll]
Frida Richard [Arbeiterfrau]
Leopold von Ledebur [Großfürst]
Werner Krauss
Hella Moja
Josef Peterhans [Geheimagent des Großfürsten]
Paula Barra
Ernst Dernburg
Fritz Feld
Hugo Flink
Sadjah Gezza
Paul Graetz
Ilka Grüning
Esther Hagan
Leopoldine Konstantin
Magda Madeleine
Jenny Marba
Ernst Mátray
Rose Müller
Ernst Pröckl
Maria Reisenhofer
Margarete Schlegel
Reinhold Schünzel
Reinhold Schünzel
Rosa Valetti
Aruth Wartan

Technische Angaben
Kategorie: Langspiel Film
Technische Info: Format: 35 mm, 1:1,33 - Ratio: 1:1,33 - Schwarz-Weiss Film,
Tonsystem: silent
Premiere: 6. November 1920 in Berlin, Hotel Esplanade

Vorhandene Kopien: Unvollständige Kopien des Films existieren

Inhaltsangabe
1905: Die erste russische Revolution bricht aus. Prunk und Elend stossen hart aufeinander. Christian Wahnschaffe, der Sohn eines reichen Fabrikanten, begegnet dem Führer der Anarchisten, Iwan Becker. Er führt den idealistischen Christian in seine Kreise ein und kann ihn für seine Ideen gewinnen. Aber die Tänzerin Eva Sorel, die ebenfalls zu den Anarchisten gehört und wichtige Geheimpapiere in Verwahrung hat, verrät ohne ihr Wollen die Bewegung. So wird die Revolution schon im Anfang erstickt. (www.filmportal.de)

Kritiken : Christian Wahnschaffe, Teil 1

Als es bekannt wurde, daß der Terra-Konzern die erste Vorführung des Wahnschaffe-Films "Weltbrand" in Gestalt eines Film-Gesellschaftsabends im Hotel Esplanade arrangieren wollte, beglückwünschten wir Herrn Morawski als denjenigen, von dem die Initiative ausgegangen sein dürfte, zu dieser Idee. Wir haben damit recht getan; das bewies das volle Gelingen der Veranstaltung, durch das der "Film-Gesellschaftsabend" sich als eine in jeder Hinsicht ebenso nützliche wie angenehme und daher nachahmenswerte Erfindung erwies. Womit nun um gotteswillen nicht die Anregung gegeben werden soll, die Première jedes größeren und kleineren Films in dieses Gewand zu kleiden. Derartige Veranstaltungen dürfen nichts Alltägliches werden, sie müssen den Charakter des "Ereignisses" wahren.

Ein eigenartiger Kontrast war es, wenn man aus dem unheimlichen Dunkel der Bellevuestraße in die strahlende Helle des Esplanade-Hotels trat. Draußen war, trotz des mangelnden Stromes, die ganze Atmosphäre wie mit Elektrizität geladen; drinnen – Behaglichkeit, Komfort, Eleganz und Hingabe an feine, geistige Genüsse. Das geistige Berlin, die Presse, die Film- und Finanzwelt sind stark vertreten. Selbst die Politik ist am Platze; dort Baron Richthofens Diplomatenerscheinung, da Erich Dombrowskis kluges Gesicht – und in jener Ecke Georg Bernhard; neben ihm Prof. Bie, unser großer Musiktheoretiker. Der Saal ist dichtgefüllt; jedes Plätzchen besetzt. Die Gespräche schwirren durch den Raum, – Da verlöscht das Licht. Es wird totenstill. Und wie aus den Sphären einer anderen Welt flutet Beethovens Egmont-Ouverture über unsere Herzen und Hirne; intoniert von Mitgliedern des Orchesters der Staatsoper, dirigiert vom General-Musikdirektor Dr Karl Muck. – Am Vortragspult vor dem schweren, samtenen Vorhang glimmt Licht auf. Theodor Loos liest zwei grundlegende Stellen aus Jakob Wassermanns Wahnschaffe-Roman.

Dann wird es wieder dunkel; die herrliche Musik strömt wieder auf uns ein; die weiße Wand leuchtet sieghaft auf trotz des lichtfeindlichen Elektrizitätsstreiks, und auf ihr gaukelt Urban Gads "Weltbrand" an unseren Augen vorüber.

Die sozialen Probleme, die Wassermanns Roman seinen starken ethischen Gehalt verleihen, bilden den Hintergrund der Filmhandlung. Durch die von Fritz Kortner leibhaft verkörperte Gestalt des Iwan Becker wird vor allen Dingen dieses soziale Moment mit stärkster Eindringlichkeit in die eigentliche Filmfabel hineingetragen. Auch bei Conrad Veidt finden sich Momente, wo er das Ideeliche des Christian Wahnschaffe filmisch zum Ausdruck bringt. Da sind ferner die lebenswirklichen Figuren, die von Hermann Vallentin, Ernst Matray, Frieda Richard, Franz Sutton, Leopold von Ledebur und Theodor Loos gestaltet werden. Die weiblichen Hauptrollen sind mit Lillebil Christensen, der man ein etwas von innen heraus belebtes Spiel wünschen möchte, und Helga Molander besetzt.

Über den rötlichen Hintergrund der Handlung haben wir gesprochen; was sich im Vordergrund abspielt, ist ein Gesellschaftsfilm, nicht mehr und nicht weniger, Urban Gad arbeitet mit hergebrachten und erprobten Stilmitteln. Experimentelles, Neuartiges in der Linienführung und Bildmodellierung hält er sich fern. Technisch ist alles sauber und exakt. Die schöne Photographie besorgte Max Lutze.» (Lichtbild-Bühne, Nr. 46, 13.11.1920)

Christian Wahnschaffe, Teil 1

Der literarische Film scheint nun doch auf dem Wege zu sein, sich Geltung zu verschaffen. Die Meinungen über seine Existenzmöglichkeit und seine Herstellung überhaupt, gehen vorläufig noch weit auseinander. Seine Gegner bestreiten mit Entschiedenheit die Möglichkeit, Geistiges im stummen Spiel zum Ausdruck zu bringen – ohne dem Nachdruck des gesprochenen Wortes mehr als oberflächliche Handlung zu geben. Die bisherige Filmproduktion schien ihnen recht zu geben. Die berühmtesten Romane und Theaterstücke wurden verfilmt, und doch blieb nichts übrig, als stets nur das nackte Gerüst, das jeder beliebige Filmdichter auch hätte erfinden können. Der Terra-Abend aber bewies, daß es ein Mehr gibt, daß Stil und geistiger Inhalt des geschriebenen Werkes sich auch auf den Film übertragen lassen. Natürlich mit Grenzen. Wie weit sich diese ausdehnen lassen, wird die Zukunft ergeben. Jedenfalls sind gute Ansätze vorhanden und auch die Literaten, die bisher die eifrigsten Gegner des Films waren, werden sich dieser Erkenntnis nicht verschließen können.

Solche Resultate sind natürlich nur mit ganz hervorragenden Mitarbeitern und Darstellern zu erreichen, wie es hier der Fall war. Urban Gad, von dem man lange nichts hörte, beweist von neuem, daß er ein Meister in der Regieführung ist, der für feinste seelische Momente empfänglich ist, und, was mehr ist, ihnen Ausdruck zu geben weiß. Daneben versteht er sich ausgezeichnet auf die Inszenierung von Massenszenen. Die Revolutionsszenen vor dem Palais des Großfürsten, die man durch ein Fenster erblickt, die durch Kavallerie auseinandergesprengte Masse, das Feuergefecht, der Brand sind von eindringlicher, packender Wirkung. Wundervoll ergreifend sind die Bilder aus dem Proletarier-Milieu. Hier wird er wirksam unterstürzt durch das äußerst realistische Spiel von Frau Frida Richard, die die vergrämte, von Sorgen zerrissene, mit zerlumpten, erbärmlichen Kindern umgebene Arbeiterfrau schlicht und herzzerreißend spielt, in diesen Proletarierszenen gibt Urban Gad, gaben seine Darsteller ihr Bestes. Eine auserlesene Schar anerkannter Berliner Künstler stand ihm zur Verfügung, und jeder ging in seiner Rolle vollkommen auf. Conradt Veidt ist Christian Wahnschaffe, der stille Träumer und Aesthet, dem Iwan Becker, der russische Nihilist (von Fritz Kortner in vorzüglicher Maske gespielt, trotzig und doch gutmutig), die Augen öffnet über das Elend der arbeitenden Klasse. Theodor Loos gibt den Idealisten Amadeus Voß, eine Art Edelanarchisten, Franz Sutton den Arbeiter Kroll. (...)

Der Film soll nicht, wie üblich, Illustration zum Roman sein, sondern dem geistigen Inhalt des Romans Form geben. Das ist ihm im großen und ganzen gelungen, und die Literaten werden zufrieden sein. Ob der Film aber einen Publikumserfolg haben wird, ist eine andere Frage. Zwar sind auch dem Geschmack der größeren Menge einige Konzessionen gemacht, Prunkszenen, wie der Empfang am Hofe des Großfürsten, schöne landschaftliche Bilder, Cabaret- und Tanzbilder eingeflochten, aber es fehlt der grobe äußere Zusammenhang, die straff durchgehende Handlung, der Zuschauer muß zuviel denken. Und dazu muß er erst allmählich erzogen werden.» (Der Kinematograph, Nr. 722, 14.11.1920)

(Kritiken zitiert nach www.filmportal.de)

General Information

Weltbrand is a motion picture produced in the year 1920 as a Deutschland production. The Film was directed by Urban Gad, with Conrad Veidt, Lillebil Christensen, Theodor Loos, Fritz Kortner, Hermann Vallentin, in the leading parts.

Literatur Hinweise Der Kinematograph Nr. 726, 16. Januar 1921
Der Kinematograph Nr. 732, 27. Februar 1921

Referenzen zum Film in anderen Datenbanken:

Unter anderem wurde der Film bei folgenden Filmfestivals aufgeführt:

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